Eine Frage der Sprache – und der Haltung dahinter
Eine Kundin schrieb uns kürzlich: „Ist das hier eigentlich Kunstleder?"
Eine faire Frage. Aber auch eine, die zeigt, wie tief ein bestimmtes Wort in unserem Denken über vegane Materialien verankert ist.
Faux leather. Kunstleder. Ein Wort, das sofort eine Imitation suggeriert – etwas, das vorgibt, etwas anderes zu sein.
Wir benutzen es bei Plant Inside bewusst nicht. Hier ist, warum das mehr ist als reine Wortklauberei.
Kurz erklärt: Der Unterschied in einem Satz
„Faux" bedeutet auf Französisch „falsch" oder „unecht" – das Wort selbst definiert ein Material über das, was es nicht ist. „Vegan" oder ein konkreter Materialname wie Viridis® definiert ein Material über das, was es ist.
Ein kleiner sprachlicher Unterschied. Eine große Haltungsfrage.
Was bedeutet „Faux Leather" eigentlich?
Das Wort „faux" stammt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich „falsch" oder „künstlich". In der Mode wurde der Begriff über Jahrzehnte für Materialien verwendet, die echtes Leder imitieren sollten – meist aus PU oder PVC.
Das Problem: Diese Sprache positioniert tierisches Leder automatisch als das „Original" und alles andere als minderwertige Kopie. Selbst wenn das Ersatzmaterial pflanzenbasiert, langlebig und sorgfältig hergestellt ist – das Wort „faux" macht es zu einer Nachahmung, nie zu einem eigenständigen Material.
Das ist keine neutrale Beschreibung. Das ist eine Hierarchie, die in einem einzigen Wort versteckt ist.
Vegan Leather vs. Faux Leather vs. Eco Leather – wo liegt der Unterschied?
Drei Begriffe, die in Online-Shops oft synonym verwendet werden – aber unterschiedliche Dinge bedeuten:
|
Begriff |
Was er suggeriert |
Was er tatsächlich bedeutet |
|
Faux Leather |
Eine Imitation, eine Kopie von „echtem" Leder |
Meist PU oder PVC – ohne Aussage zu Herkunft oder Nachhaltigkeit |
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Eco Leather |
Automatisch umweltfreundlich |
Oft unreguliert – kann ebenfalls PU oder PVC mit minimal verändertem Herstellungsprozess sein |
|
Vegan Leather |
Frei von tierischen Bestandteilen |
Korrekt, aber unspezifisch – sagt nichts über Material, Herkunft oder Umweltbilanz aus |
Keiner dieser drei Begriffe ist gesetzlich geschützt. Das bedeutet: Jede Marke kann sie verwenden, unabhängig vom tatsächlichen Material dahinter.
Genau deshalb reicht keiner dieser Begriffe allein aus. Wer wirklich wissen will, was in einem Produkt steckt, muss nach dem konkreten Materialnamen fragen – nicht nach der Kategorie.
🌱 Wusstest du? Selbst auf spezialisierten Marktplätzen für nachhaltige und handgefertigte Produkte wie Etsy gehört „Vegan Leather" bis heute nicht zu den offiziell auswählbaren Material-Tags – „Faux Leather" hingegen schon. Das zeigt: Selbst in bewussten Verkaufsumgebungen ist die alte Sprache der Imitation tief im System verankert, während präzisere Begriffe erst noch ihren Platz finden müssen. (Quelle: Etsy Material-Filter, Stand 2026)
Warum Sprache in bewusster Mode eine Rolle spielt
Wörter formen Erwartungen. Und Erwartungen formen, wie ein Produkt wahrgenommen wird – noch bevor es überhaupt berührt wurde.
Wenn ein Material als „Imitation" eingeführt wird, beginnt jede weitere Bewertung mit einem Nachteil. Die Frage wird unbewusst zu: „Wie nah kommt es an das Original?" – statt: „Was kann dieses Material aus sich selbst heraus leisten?"
Das ist keine kleine Nuance. Es beeinflusst:
- wie Kund:innen Qualität einschätzen – bevor sie das Material überhaupt in der Hand hatten
- wie Marken über ihre eigenen Produkte sprechen – ob mit Stolz oder Rechtfertigung
- wie eine ganze Branche sich selbst positioniert – als Alternative oder als eigenständiger Weg
Materialien wie Viridis® oder Washpapa® sind keine Kopien von etwas anderem. Sie sind eigene Materialien mit eigenen Eigenschaften, eigener Herstellung, eigener Geschichte.
Wie Plant Inside über Materialien spricht
Wir nennen unsere Materialien beim Namen.
Viridis® – pflanzenbasiertes Leder aus europäischem Mais und Weizen, hergestellt in Italien. Zertifiziert durch Animal Free by LAV, Oeko-Tex Standard 100 und FSC®.
Washpapa® – waschbares Kraftpapier aus Deutschland, zertifiziert durch Oeko-Tex Standard 100 und FSC®.
Vegea® – pflanzenbasiertes Leder aus Trauben-Trester, entwickelt in Mailand, zertifiziert durch REACH, Vegan und Global Recycled Standard.
Keines dieser Materialien wird bei uns als „faux" bezeichnet. Nicht aus Marketinggründen – sondern weil es schlicht nicht korrekt wäre. Diese Materialien imitieren nichts. Sie sind, was sie sind.
Mehr über die Eigenschaften und Zertifizierungen dieser Materialien erfährst du in unserem Artikel Was ist veganes Leder?

Washpapa® – waschbares Kraftpapier aus Deutschland, ein eigenständiges Material mit eigenem Charakter
Bedeutet das, dass „Vegan Leather" der einzig richtige Begriff ist?
Nicht ganz – und das ist wichtig zu verstehen.
„Vegan Leather" ist korrekt, aber unvollständig. Es sagt nur: kein tierisches Material. Es sagt nichts über Nachhaltigkeit, Herkunft oder Qualität aus – wie wir bereits in unserem Artikel Vegane Mode ist nicht automatisch nachhaltig ausführlich erklärt haben.
Der ehrlichste Weg ist deshalb nicht ein neuer Sammelbegriff – sondern Konkretheit. Der Materialname selbst. Viridis®. Washpapa®. Vegea®. Namen, die etwas bedeuten, statt Kategorien, die alles und nichts erklären.
FAQ
Ist „Vegan Leather" dasselbe wie „Faux Leather"?
Nicht ganz. „Vegan Leather" bezieht sich auf die Abwesenheit tierischer Bestandteile. „Faux Leather" suggeriert zusätzlich, dass das Material eine Imitation von echtem Leder ist – eine sprachliche Hierarchie, die viele bewusste Marken bewusst vermeiden.
Warum nennt Plant Inside seine Materialien nicht einfach „Kunstleder"?
Weil unsere Materialien wie Viridis® oder Washpapa® keine Kopien von tierischem Leder sind. Sie sind eigenständige, pflanzenbasierte Materialien mit eigenen Eigenschaften – keine Imitationen.
Ist „Eco Leather" eine vertrauenswürdige Bezeichnung?
Nicht automatisch. Der Begriff ist nicht gesetzlich geschützt und wird oft für Materialien verwendet, die kaum nachhaltiger sind als Standard-PU. Entscheidend ist der konkrete Materialname und seine Zertifizierungen – nicht das Label „eco".
Welche Begriffe sollte ich beim Kauf von veganen Produkten beachten?
Achte auf den konkreten Materialnamen (z. B. Viridis®, Washpapa®, Piñatex) statt auf generische Kategorien wie „vegan leather" oder „eco leather". Konkrete Namen lassen sich recherchieren und überprüfen – Kategorien nicht.
Spielt diese Wortwahl wirklich eine Rolle, oder ist das nur Semantik?
Sprache prägt Erwartungen. Wenn ein Material als „Imitation" bezeichnet wird, wird es automatisch an einem fremden Standard gemessen, statt an seinen eigenen Vorzügen. Das beeinflusst, wie Konsument:innen Qualität wahrnehmen – lange bevor sie das Material berühren.
Worte sind nie neutral
„Faux leather" ist kein falscher Begriff. Aber er ist ein Begriff mit eingebauter Hierarchie.
Bei Plant Inside glauben wir, dass Materialien, die mit Sorgfalt entwickelt wurden – aus Mais, aus Trauben, aus recyceltem Papier – etwas Besseres verdienen als ständig im Schatten eines „Originals" zu stehen, das sie nie sein wollten.
Deshalb nennen wir unsere Materialien beim Namen.
Nicht, weil es besser klingt. Sondern weil es stimmt.
Entdecke die Materialien selbst in unserer veganen Taschenkollektion.
Aktualisiert: Juni 2026